So bringen Sie endlich Ordnung in Ihre Finanzen

Zwei 50-Euro-Scheine in einer Hand. Im Hintergrund ein Taschenrechner, mehr Geldscheine und Diagramme.

SKM-Schuldner- und Insolvenzberatung Krefeld gibt Tipps im „Spiegel“

Erschienen im Spiegel vom 05.08.2026

Wofür gebe ich mein Geld aus? Und wie viele Versicherungen habe ich überhaupt? Um Ihre Finanzen richtig in den Griff zu kriegen, hilft eine Bestandsaufnahme. Hier erfahren Sie, wie das geht.

Mein Schreibtisch zu Hause ist perfekt strukturiert: Es gibt einen Papierberg von beeindruckender Höhe, und die korrekte Überschrift lautet: »Alles«.
Im Ernst: Auch wenn ich immer wieder Texte schreibe über Steuern, Versicherungen oder andere Finanzsachen, fehlt mir jegliche Begeisterung für die Privatbürokratie, die man als Erwachsener so erledigen muss.

Wenn es mir nach langem Ringen mal wieder gelungen ist, halbwegs aufzuräumen, befriedigt das für einen kurzen Moment. Ich träume dann davon, wie es wohl wäre, einfach immer alles sofort zu erledigen und ordentlich abzuheften. Aber wenn ich erwache, ist der »Alles«-Berg wieder in erdrutschgefährliche Höhen gewachsen.

Für diesen Text habe ich bei Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen angerufen, die Menschen in vielen praktischen Finanzfragen berät, auch zu Spar- und Versicherungsprodukten. Er warnt: »Gerade junge Menschen fühlen sich mit finanzieller Selbstorganisation oftmals überfordert und suchen sich dann Rat bei den Falschen.« Auf Social Media oder an Hochschulen werben oft selbst ernannte Finanzcoaches für ihre Dienste. »Die helfen vielleicht beim Ordnen der Unterlagen oder mit Bewerbungstipps, verkaufen dann aber teure und unflexible Sparverträge.« Dabei seien die Grundsätze gar nicht schwer: »Die Hilfe dieser Leute brauchen Sie wirklich nicht.«

Christina Glaser, mit der ich ebenfalls gesprochen habe, arbeitet für den SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste in Krefeld e.V., der zur Caritas gehört und regelmäßig Schulworkshops veranstaltet, um Jugendlichen finanzielle Selbstfürsorge beizubringen. Und Glaser hat viel Erfahrung in der Schuldnerberatung.

Glaser kann von Extremfällen berichten: Wenn Menschen sich nicht trauen, ihre Briefe zu öffnen, weil es für sie keinen Unterschied mehr macht, ob darin Rechnungen stecken, Mahnungen, Inkassoschreiben oder Mahnbescheide vom Gerichtsvollzieher. Wenn sie mehr für die »Buy-now-pay-later«-Gebühren ausgeben als für die Produkte, die sie damit gekauft haben (mehr zu den Gefahren dieses Trends erfahren Sie hier). Wenn die Stadtwerke nach vielen unbezahlten Rechnungen den Strom ausschalten.

So weit will es natürlich niemand kommen lassen.

Also: Wie geht das, die eigenen Finanzen zu managen? Vor der Frage stehen zum Beispiel Jugendliche oder junge Erwachsene, die gerade bei den Eltern ausgezogen sind. Oder, da wendet sich das Verhältnis Jahrzehnte später: die Kinder, wenn ihre betagten Eltern damit nicht mehr klarkommen. Glaser kennt mehr als einen Fall, wo das den Kindern erst aufgefallen ist, als der Strom bei der Oma abgeschaltet wurde – »über unbezahlte Rechnungen spricht diese Generation nicht«.

Die Bestandsaufnahme

»Egal, wie der Fall liegt – zu Beginn müssen Sie immer erfassen, wo Sie stehen«, sagt Opfermann. »Dabei geht nichts über das gute alte Haushaltsbuch, auch wenn das Wort altmodisch klingt«, sagt Glaser. Dort tragen Sie alle Einnahmen und Ausgaben ein. Zuerst die regelmäßigen, um zu wissen, was überhaupt im Monat zur Verfügung steht. Am besten, Sie gleichen das mit Kontoauszügen ab, damit Sie nichts vergessen.

Haushaltsbuch ist dabei nur ein Oberbegriff, jeder kann nach Geschmack entscheiden, wie das Hilfsmittel aussieht:

  • Ein kariertes oder liniertes Heft kostet wenig und erfüllt seinen Zweck.
  • Wer das zu unsexy findet, kann sich bei passenden Apps umschauen, etwa von Finanzguru, Money Control, Outbank, Woolsocks oder YNAB, um nur einige besonders bekannte zu nennen. Die meisten dieser Apps sind gratis in einer Basisversion erhältlich, zusätzliche Funktionen kosten extra und müssen in der Regel abonniert werden. Vielleicht sollten Sie erst nach der Bestandsaufnahme überlegen, ob Sie sich dieses Abo auch noch leisten wollen.
  • Man kann sich die Rechnerei auch von einer Tabellenkalkulation abnehmen lassen. Die bekannteste, aber vergleichsweise kostspielige, ist Excel von Microsoft. OpenSource-Varianten solcher Software gibt es kostenlos, etwa bei LibreOffice.
  • Für den Überblick der Monatsfinanzen reicht auch ein Sankey-Diagramm, das zeigt, wie Einnahmen in verschiedene Ausgabenkategorien fließen. Ein solches Diagramm kann man kostenlos auf der Seite von Finanzfluss erstellen.
  • Viele Banken und Sparkassen bieten ähnliche Auswertungsfunktionen in ihrem Onlinebanking-Bereich an. Praktisch hier: Man kann als Kunde gleich die echten Daten aus dem Konto übernehmen. Auch bei zahlreichen Finanz-Apps ist eine Anbindung ans Onlinebanking vieler Banken möglich, das kann aber teils schon zu den aufpreispflichtigen Funktionen zählen.

Dann tragen Sie alle Einzelkäufe ein. »Wichtig ist, dass Sie das über einen gewissen Zeitraum akribisch machen«, sagt Verbraucherschützer Opfermann, »damit Sie wiederkehrende Muster erkennen.« Mindestens einen Monat, besser drei Monate oder mehr sollten Sie so Buch führen. Berücksichtigen Sie auch kleine Ausgaben – ein Eis hier, einen Kaffee da –, es läppert sich. Dafür sind Handy-Apps natürlich besonders praktisch, weil man Ausgaben gleich unterwegs erfassen kann. Wer die Ausgaben erst später zu Hause ins Büchlein schreibt, vergisst leicht etwas.

Haben Sie sich per Haushaltsbuch einen Überblick verschafft, können Sie sehen, für welche Dinge Sie am meisten Geld ausgeben – und Sie können reagieren, sollte das Geld nicht reichen: Genügt es, in günstigeren Supermärkten einzukaufen? Mussten es in einem Quartal drei Paar Sneaker sein? Brauche ich wirklich drei Streaming-Abos, oder kann man eins streichen?
Wer regelmäßig, aber nur kurz auf dem Konto ins Minus rutscht, kann so auch sehen, wann die regelmäßigen Abbuchungen stattfinden, und vielleicht dafür sorgen, dass dann genug Geld auf dem Konto ist. So sparen Sie unnötige Zinsen auf die Kontoüberziehung.

Das Versicherungsmanagement

Vielleicht haben Sie ja schon ein paar Versicherungen. Auch hier verliert man über die Zeit den Überblick. Mit dem Kassensturz überblicken Sie auch diesen Bereich besser. Allerdings gibt es Versicherungen, bei denen man nur einmal jährlich zahlt. Die finden Sie nur, wenn Sie einen längeren Zeitraum betrachten.

Hier stellt sich oft die Frage, ob wirklich alle Versicherungen nötig sind, für die Sie so bezahlen. Elektronikmärkte verkaufen zum Beispiel gern spezielle Versicherungen passend zum Produkt, etwa für Handys. Verbraucherschützer raten davon regelmäßig ab, weil diese Miniversicherungen vergleichsweise teuer sind und beispielsweise die Hausratversicherung, die man in der Regel ohnehin hat, für manche Schäden aufkommt.

Welche Versicherungen man benötigt, hängt stark von der Lebenssituation ab, davon, ob man Familie hat und auch von bestimmten Besitztümern. Einen Überblick können Sie sich hier verschaffen:

Das Rechnungsmanagement

Erstaunlich viele Menschen kommen in die Bredouille, weil sie Zahlungstermine nicht einhalten, berichten die beiden Experten. Wer Rechnungen und Mahnungen verpasst, zahlt allerdings schnell drauf. »Bei den regelmäßigen und unverzichtbaren Zahlungen bietet sich das Lastschriftverfahren oder das Einrichten von Daueraufträgen an«, sagt Verbraucherschützer Opfermann. Das gilt etwa für die Miete und für Abschläge bei Strom und Wasser. Selbstverständlich können Sie auch Überweisungstermine im Kalender markieren. Nutzen Sie einen elektronischen Kalender, etwa auf dem Handy, dann stellen Sie am besten Erinnerungen ein.

»Wir erleben oft, dass gerade junge Menschen Rechnungsbriefe gar nicht erst öffnen«, sagt Schuldnerberaterin Glaser. Leider hilft es aber nicht, Gläubiger zu ghosten. Der erste Schritt ist also, die Briefe wirklich zu öffnen, sobald sie eintreffen – so banal das klingen mag. Und die relevanten Informationen rauszupicken, was gar nicht immer so leicht ist, weil Abrechnungen häufig kompliziert erscheinen. Stellen Sie klar: Wer will was? Hat er dafür wirklich geliefert, habe ich das bestellt? Und wann muss ich spätestens bezahlt haben?

Das Dokumentenmanagement

Was macht man mit den Rechnungen und anderen Unterlagen, wenn sie bezahlt sind? Es ist keine gute Idee, sie sofort wegzuschmeißen. Denn wenn es Nachfragen oder Ungereimtheiten gibt, sind Sie froh, wenn Sie da nachschauen können. Andererseits schreckt es viele ab, hier nun alles sortieren zu müssen.
Sie können aber den Aufwand getrost gering halten. Für einzelne Anschaffungen reicht schon ein Schuhkarton oder ein einfacher Ordner. Markieren Sie sich nur die Stelle in der Sammlung, wo das nächste Jahr beginnt, dann dauert die Suche im Zweifel nicht so lange. Bei regelmäßigen Schreiben lohnt es sich aber, diese auch zusammenhängend abzulegen, also etwa den Vertrag des Stromversorgers zusammen mit den folgenden Abrechnungen, den Versicherungsschein der Haftpflicht mit den regelmäßigen Beitragsrechnungen.

Wie lange Sie etwas aufbewahren müssen, können Sie in dieser Übersicht nachlesen.

Übrigens ist es inzwischen nicht mehr so wichtig, ob Dokumente auf Papier oder in elektronischer Form vorliegen. Wer Waren online bestellt, bekommt ja meist die Rechnung per E-Mail und kann diese leicht auf dem Computer, dem Handy oder in der Cloud ablegen. Andere Daten sind schnell mit dem Handy eingescannt und damit stets staubfrei verfügbar.

Zwei Dinge sollten Sie allerdings bedenken:

  • Für wichtige Daten sollten Sie immer ein Back-up anlegen, für den Fall, dass ein Gerät mal kaputtgeht oder verloren geht.
  • Dokumente, die man sehr lange aufhebt, sollten teils doch besser in Papierform vorliegen. Eine Geburtsurkunde zum Beispiel kann noch nach Jahrzehnten wichtig werden. Wenn Sie erst dann feststellen, dass es das Dateiformat von damals nicht mehr gibt, ist das ein Problem.

Diese Risiken sollten Sie kennen

Sie haben ein Haushaltsbuch, einen Überblick und eine gute Ordnerstruktur und fühlen sich noch immer überfordert? Das ist keine Schande, holen Sie sich Hilfe. Bei Sozialverbänden, Verbraucherzentralen, teils auch direkt bei den Kommunen oder in Volkshochschulen gibt es Beratungsangebote. An diese Adressen können Sie sich auch wenden, wenn Sie bei Ihrer bürokratischen Post nicht mehr durchblicken. Meist kommen Sie hier auch weiter, wenn es um Versicherungsberatung oder die Frage nach Sparprodukten gehen soll. Und immer daran denken: Es ist vertrauenerweckend für die Beratung, wenn die Berater die Finanzprodukte nicht selbst verkaufen.

Die beiden Experten warnen noch vor Gefahren, die ihnen im Beratungsalltag am häufigsten unterkommen:

  • »›Buy-now-pay-later‹ ist derzeit wirklich eine der häufigsten Mitursachen für Schuldenprobleme«, sagt Christina Glaser. Die Programme sind verführerisch und finden sich überall, gerade auch bei Zahlungsdienstleistern wie PayPal und Klarna: Warum auch mit dem Kauf des schönen Fernsehers warten, bis man das Geld angespart hat? Viele Menschen verlieren die Zahlungstermine aber aus dem Blick. Selbst wenn es sich um Null-Prozent-Finanzierungsangebote handelt, Kredite also, bei denen keine Zinsen fällig werden: Zahlt man unpünktlich, kostet das schnell Strafgebühren. »Uns begegnen Menschen, die Dutzende solcher Minikredite gleichzeitig haben«, so Glaser.
  • »Vielen ist auch nicht klar, wie teuer der Dispokredit ist«, sagt Opfermann. Klar, die Möglichkeit, das Konto kurzfristig zu überziehen, ist praktisch, wenn unerwartet Geld fehlt. Aber die Banken lassen sich diese Flexibilität mit vergleichsweise hohen Zinsen bezahlen. Wer den Dispo als Dauereinrichtung nutzen muss, verschenkt Geld. Dann lieber geplant einen Kleinkredit anfragen.
  • Fragt man die beiden, wo Menschen nach ihrem Eindruck am häufigsten regelmäßig Geld für etwas ausgeben, was sie nicht (oder nicht in diesem Umfang) nutzen, dann sind das Handyverträge und Fitnessstudios. Das hängt damit zusammen, dass es hier oft noch Mindestlaufzeiten oder Kündigungsfristen gibt. Ein schneller Ausstieg ist dann kaum möglich. So etwas sollte man am besten schon beim Vertragsabschluss wissen: »Fragen Sie Verkäufer danach, wenn Sie unsicher sind«, so Opfermann. »Und steigen Sie nirgendwo ein, ohne zu wissen, wie Sie wieder rauskommen.«

Zu guter Letzt: Es ist sinnvoll, sich von Zeit zu Zeit wieder einen Überblick zu verschaffen, auch dann, wenn es gut läuft – vielleicht bleibt es dann ja sogar so. Ich würde es Ihnen wünschen.

Ihr Matthias Kaufmann

Mit freundlicher Genehmigung des Spiegel.

Krefeld, 24.09.2026
SKM Krefeld e.V. – Vorstand

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Alexander Keßel, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
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