Für ein soziales Nordrhein-Westfalen – Forderungen der Freien Wohlfahrtspflege NRW zur Landtagswahl 2027
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt in NRW bei 325.300 (Krefeld: 6.010) – das sind mehr als 80.000 Langzeitarbeitslose mehr als noch im Jahr 2019 (+32,7 Prozent, Krefeld: +12,6 Prozent), wie aus dem „NRW-Report Arbeitsmarktpolitik“ hervorgeht, den das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) exklusiv für die Freie Wohlfahrtspflege NRW erstellt hat.
Der Report macht deutlich, dass viele langzeitarbeitslose Menschen mehrere Vermittlungshemmnisse gleichzeitig aufweisen. Besonders betroffen sind Menschen ohne Berufsabschluss, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Menschen mit Migrationsgeschichte sowie Frauen, deren Integrationsquote deutlich hinter denen der Männer zurückbleibt. Im Zeitraum von 2020 bis 2026 lag die Integrationsquote von Frauen durchgehend um rund 11 bis 14 Prozentpunkte unter der von Männern.
Gleichzeitig besteht ein immer größeres Missverhältnis zwischen den Anforderungen des Arbeitsmarktes und den persönlichen und beruflichen Qualifikationen vieler langzeitarbeitsloser Menschen. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW bewertet diesen Befund als klaren Auftrag, die Förderpolitik stärker an den tatsächlichen Lebenslagen der Betroffenen auszurichten. Erforderlich sind insbesondere:
- bedarfsgerechte Qualifizierungsangebote
- mehr längerfristige Angebote öffentlich geförderter Beschäftigung
- bessere Sprachförderung
- individuelle Unterstützungs- und Coachingangebote
- geschlechtersensible Förderstrategien
- flexible Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit
Arbeitsmarktintegration kann nur gelingen, wenn die Förderinstrumente auf die unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten sind und individuelle Bedürfnisse flexibel berücksichtigen. Dafür ist eine auskömmliche Finanzierung erforderlich.
Rückgang der Arbeitsmarktförderung verschärft die Probleme
Besonders kritisch bewertet die Freie Wohlfahrtspflege NRW die Feststellung des NRW-Reports, dass Förderaktivitäten, Aktivierungsquoten und Eingliederungsleistungen im Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, obwohl die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt drastisch zugenommen haben. Die im Report dargestellte fatale Entwicklung bestätigt die Erfahrungen der Träger der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen.
Weniger Fördermittel bedeuten weniger Qualifizierung, weniger Stabilisierung und geringere Chancen auf nachhaltige Arbeitsmarktintegration. Die Schwächung der aktiven Arbeitsmarktförderung steht damit in einem deutlichen Widerspruch zu den wachsenden Anforderungen.
Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in NRW (25. April 2027) legt die Freie Wohlfahrtspflege NRW ein Positionspapier, um auf die großen Aufgaben der kommenden Legislaturperiode hinzuweisen. So fordert die Vorsitzende Kirsten Schwenke eine wirksame Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung, die Sicherung von Teilhabemöglichkeiten, die Verbesserung von Bildungschancen sowie eine verlässliche Finanzierung sozialer Infrastrukturen.
„Bei der Landtagswahl wird darüber entschieden, wie sozial, gerecht und nachhaltig Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren gestaltet wird. Als Freie Wohlfahrtspflege NRW bringen wir unsere fachliche Erfahrung, unsere Nähe zu den Menschen und unsere Verantwortung für den sozialen Zusammenhalt in diese Debatte ein. Unsere Verbände, Einrichtungen und Dienste sind täglich dort präsent, wo gesellschaftliche Herausforderungen konkret werden: in Kitas, Schulen, Beratungsstellen, Pflegeeinrichtungen, Angeboten der Eingliederungshilfe, der Jugend- und Familienhilfe, der Wohnungslosenhilfe, der Suchthilfe, der Integrationsarbeit und an vielen weiteren Orten“, betont Kirsten Schwenke.
Ziel sei ein „Nordrhein-Westfalen, in dem soziale Rechte verlässlich eingelöst werden, Angebote erreichbar bleiben und niemand aufgrund von Armut, Behinderung, Herkunft, Alter, Geschlecht, Krankheit, Pflegebedarf oder Wohnungsnot von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen wird.“
Nordrhein-Westfalen brauche eine starke, präventive und verlässliche soziale Infrastruktur. „Sie ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern Grundlage für Demokratie, Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität“, so Kirsten Schwenke und weiter: „Wer in Arbeit, Bildung, Pflege, Wohnen, Gesundheit, Integration, Kinderschutz, Inklusion, Engagement, Klimaschutz und Armutsbekämpfung investiert, stärkt nicht nur einzelne Zielgruppen, sondern das Gemeinwesen insgesamt. Gute Sozialpolitik verhindert Folgekosten, eröffnet Chancen und schafft Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.“
Die Freie Wohlfahrtspflege NRW sieht dabei das Subsidiaritätsprinzip als wesentliche Grundlage für eine leistungsfähige und vielfältige soziale Infrastruktur. „Es verbindet die öffentliche Verantwortung für soziale Daseinsvorsorge mit der Erfahrung, Kompetenz und Gestaltungskraft der Freien Wohlfahrtspflege und anderer zivilgesellschaftlicher Akteur*innen„, erklärt die Vorsitzende. Es sei dringend erforderlich, das bewährte Zusammenspiel durch verlässliche Rahmenbedingungen zu sichern, um die Eigenständigkeit freier Träger zu stärken.
Kirsten Schwenke fordert: „Für die kommende Legislaturperiode erwarten wir daher politische Entscheidungen, die unsere soziale Infrastruktur dauerhaft absichern, Bürokratie abbauen, Fachkräfte gewinnen, Kommunen handlungsfähig machen und die Expertise freier Träger wirksam einbeziehen. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW steht bereit, diesen Weg konstruktiv mitzugestalten.„
750.000 Mitarbeitende der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen setzen sich täglich dafür ein, Menschen in allen Lebenslagen zu unterstützen. Mit ihren Angeboten und Dienstleistungen erreichen die Träger der Freien Wohlfahrtspflege in NRW jährlich rund 6 Millionen Menschen. Neben den konkreten Aufgaben der Wohlfahrts- und Sozialarbeit übernehmen die Verbände eine wichtige Mittlerrolle zwischen Gesellschaft, Politik und Verwaltung: Sie benennen soziale Schieflagen und setzen auf Dialog, um gemeinsame Lösungen für alle beteiligten Akteurinnen und Akteure zu erreichen.
Krefeld, 02.11.2026
Vorstand SKM Krefeld e.V.
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Die Positionierung der Freien Wohlfahrtspflege NRW vor der Landtagswahl 2027 in voller Länge: